Das Leben war schon immer unperfekt

Das Leben war aus menschlicher Sicht schon immer unperfekt, und doch aus einer höheren Perspektive immer perfekt nach dem Motto: „Du bekommst nicht immer, was du möchtest, aber du bekommst immer das, was du (für deine persönliche Entwicklung) brauchst.“

Je mehr der Mensch gegen den vermeintlich unperfekten Fluss des Lebens kämpft, z. B. nicht zugeben will, dass die angeblich perfekte Stelle oder Beziehung auf Dauer nicht das war, was man sich vorstellte, und trotzdem nicht loslassen konnte, je unglücklicher wird man im Inneren.

Fassaden brechen zusammen

„Dank“ Corona brechen Teile des angeblich bisher perfekten Lebens zusammen. Etwas, das gegen aussen den perfekten Eindruck vermitteln sollte und es gegen innen nie war, kann nicht länger künstlich aufrechterhalten werden, somit bricht die Fassade zusammen. Anhand einiger Gespräche seitens Arbeitnehmern wurde plötzlich klar, dass Homeoffice tatsächlich viel angenehmer und oft auch effizienter war. Das tägliche Kopfweh oder andere körperliche Symptome verschwanden. Was den Mitarbeitern fehlte, war lediglich der Austausch mit ihren Arbeitskollegen in der Pause oder beim Mittagessen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was man mit diesen neuen Erkenntnissen macht. Ich bin sicher, der eine oder andere stellt sich die Frage, ob es nicht möglich wäre, so weiterzuarbeiten oder allenfalls die Stelle zu wechseln, und handelt dann dementsprechend. Der Körper lügt nicht, und solche deutlichen Signale wie eine Linderung oder gar der Wegfall von Schmerzen sind eine klare Botschaft an uns, die es ernst zu nehmen gilt.

Auch im Privatleben kann die perfekte Beziehung oder das perfekte Familienleben zusammenbrechen. Homeoffice stellte für viele aber auch eine Chance dar: mehr Zeit mit der Familie, kein Arbeitsweg mehr. Doch die Arbeit im Büro inklusive Überstunden oder Reisetätigkeit kann gleichzeitig eine Flucht sein, wenn zu Hause die Beziehung auf wackligen Beinen steht oder man mit Familie und Karriere überfordert ist. Krisen stellen immer eine Herausforderung dar. Wo ein wahres Fundament vorhanden ist, meistert man vieles. Wenn es das Fundament nie wirklich gab, wird es auch schwierig, diese Krise beziehungsweise die Kollateralschäden von Corona gemeinsam zu meistern.

Corona als Chance für die Unternehmenskultur

Oft braucht es von aussen einen Impuls, und plötzlich geht etwas, wie z. B. dass Mitarbeiter Homeoffice machen. Unternehmenskulturen, die heute noch von Kontrolle, permanentem Stress und Angst geprägt sind, sind wie Dinosaurier, deren Zeit schon längst vorbei ist. In solchen Kulturen, wo gegenseitiges Vertrauen noch ein Fremdwort ist, fällt es sehr schwer, aus der Not heraus Mitarbeitenden plötzlich zu vertrauen, dass die Arbeit auch von zu Hause aus erfolgreich und gemäss Vorgaben erledigt werden kann. Mitte Juli teilte Siemens mit, Homeoffice für 140.000 Mitarbeitende zu ermöglichen. Das hat Signalwirkung.

Corona ist eine Chance, veraltete Unternehmenskulturen neu zu gestalten, beziehungsweise die Art und Weise, wie Mitarbeitende auf allen Stufen miteinander umgehen und arbeiten, muss komplett überdacht werden, um radikal neue Wege zu gehen. Das kann natürlich auch heissen, dass neue Leute an die Spitze müssen, um diesen Kulturwandel überhaupt zu ermöglichen. Nach Führungsmaximen wie Kontrolle und Angst dürfen nun endlich neue Werten wie gegenseitiger Respekt und gegenseitiges Vertrauen gelebt werden.

Corona als Chance im Privatleben

Ich bin in einer Branche, in der es während Corona sehr ruhig war und immer noch ist. Dafür habe ich Zeit geschenkt bekommen – Zeit zum Reflektieren. Während dieser Zeit wurde ich natürlich viel mehr mit mir und meinen Gedanken konfrontiert. In der Zeit wurden mir einige eigene Stories auch bewusst. Ich hatte mich vor zwei Monaten über jemanden aufgeregt und erzählte dies einer guten Freundin. Dank des Gesprächs merkte ich, dass diese Story mit mir zu tun hatte und die andere Person mir dabei eine alte Wunde spiegelte – sonst hätte ich mich nicht so aufgeregt. Somit durfte ich ein paar heilsame Aha- Erlebnisse in den letzten Monaten machen. Nicht gerade lustig, aber im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür.

Was ich jetzt in der Coronazeit lerne, in der noch so viel unsicher und unklar scheint: Ich muss noch stärker auf meine eigene Stimme hören. Denn in dieser Informationsflut an Meinungen, Fakten, Fake News usw. behält man nur schwer den Überblick. Deswegen meine Empfehlung an euch: Ihr kennt euch und den eigenen Körper respektive euren Gesundheitszustand am besten. Hört auf euch und darauf, was euer Körper sagt, und lasst euch nicht blind von aussen beeinflussen. Wie bei allem gilt auch hier: Nimm die Informationen zur Kenntnis und entscheide dann, was für dich stimmig ist, was sich gut anfühlt.

Mein Impuls für Deinen Weg

Loslassen von dem, was war, wie das Leben sein sollte, und offen sein für das, was kommt.

Zuerst veröffentlicht im Ladies Drive Magazin Ausgabe Nr. 51

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