Transformation – Der Weg des Schmetterlings

„Wir staunen über die Schönheit eines Schmetterlings, aber erkennen die Veränderungen so selten an, durch die er gehen musste, um so schön zu werden.“

Maya Angelou

Ich sehe oft bei Pferdehaltern wie sie ihr Pferd auf das Niveau bringen, wo sie sich selber in ihrer Komfortzone befinden, statt sich dorthin zu bewegen, wo das Pferd ist und sein könnte, wenn es ggf. einen anderen Pferdehalter hätte. Mit meiner Stute Riverdance habe ich den zweiten Weg gewählt und mich dadurch stark entwickelt. Sie war ein grosses und schnelles Pferd und ich musste aus meiner Komfortzone, um sie in allen Gangarten reiten zu können. Dies stellte anfangs eine grosse Herausforderung für mich dar. Dafür konnte ich im Lauf der Zeit Erfahrungen machen, die ich mir zuvor nicht vorstellen konnte. Hierzu einen Beitrag wie Transformation in der Geschäftswelt aussehen könnte.

WAS BEDEUTET TRANSFORMATION?

Transformation ist nicht länger eine Option in der heutigen Welt. Transformation ist inzwischen ein Muss für die meisten Unternehmen, weil sich die Welt so schnell und stark verändert und auch immer komplexer wird. Da reichen Prozessänderungen nicht mehr, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Transformation bedeutet, dass zum Teil ganze Prozesse wegfallen und andere Prozesse neu dazukommen. Menschen, die sich bisher mit Veränderung schwergetan haben – egal ob aus Bequemlichkeit oder Angst –, müssen jetzt endlich aus ihrer Komfortzone, um das Überleben des Unternehmens und ihr eigenes zu sichern.

Wie in vielen Bereichen in unserem Leben dürfen wir auch hier etwas von der Natur abschauen. In Bezug auf Transformation ist es der Schmetterling, der uns den Weg aufzeigt. Der Schmetterling entsteht bekanntlich nur, weil sich der Raupenkörper zurückbildet und komplett zersetzt. Der Prozess im Unternehmen ist ähnlich. Die alte Form und die damit verbundenen Denkweisen und Prozesse des Unternehmens müssen „sterben“, damit die neue Form entstehen kann.

PAARUNG – EIER – LARVE

Der Paarungsakt der Schmetterlinge setzt den Samen für ihre Zukunft. In der Unternehmensleitung wird ein bewusster Entscheid – ein Ja zur Transformation – getroffen, damit das Unternehmen überleben kann. Da es in vielen Unternehmen schon „5 vor 12“ ist, werden zurzeit viele gezwungen, sich zu transformieren, wenn sie überleben möchten.

Der Schmetterling legt seine Eier an verschiedene Orte, um die Überlebenschancen der einzelnen Eier zu erhöhen. Ein Unternehmen muss flächendeckend Samen der Transformation säen und Mitarbeitenden die entsprechenden Kompetenzen geben, damit Neues entstehen kann. Starre Hierarchien und Top-down-Management sind hier fehl am Platz und führen nur zu bürokratischen Prozessen, welche die überlebenswichtige Transformation bremsen.

RAUPE

Nach ein paar Wochen schlüpft die Raupe aus dem Ei. Damit sie genügend Energie und Kraft für die nächste Phase ihrer Entwicklung hat, muss sie viel essen. Eine Raupe häutet sich mehrmals während ihrer Entwicklung.

Ein Unternehmen im Transformationsprozess kommt auch nicht auf Anhieb zu seiner neuen Form, sondern durchläuft einen Findungsprozess. In der Zeit entscheidet es, was losgelassen werden beziehungsweise was sterben muss (etwa welche Denk- und Verhaltensweisen), damit Neues entstehen darf. Während dieser Zeit müssen Mitarbeitende laufend genährt und deren Energien gut eingeteilt werden, damit sie genügend Kraft und Motivation haben, um den gesamten Transformationsprozess durchzuziehen. Veränderung ist nicht einfach, es gilt Hürden zu überwinden, Widerstand zu durchbrechen, Altes loszulassen und einiges mehr, bevor man wieder das Licht erblickt. Hierzu braucht es Menschen auf allen Ebenen im Unternehmen, die in dieser Hinsicht als dienen.

Da nicht jeder Mensch Veränderung mit Freude begegnet, lautet die Frage: Wie geht ein Unternehmen auf solche Menschen ein? Entscheidungsträger setzen sich natürlich schon lange mit den Einzelheiten der Transformation auseinander und sind den inneren Prozess des Wandels mehr oder weniger schon durchgegangen. Diese Tatsache wird oft in der Kommunikation innerhalb des Unternehmens vergessen. Mitarbeitende werden einfach mit einer fertigen Tatsache konfrontiert. Natürlich führt dies zu Widerstand, der zum Teil auch vermieden werden könnte, wenn Änderungen im Voraus angekündigt werden. Auch hier ist zu beachten, welche Form der Kommunikation dafür geeignet ist, sodass Mitarbeitende die Botschaft auch annehmen können. Danach ist eine enge Begleitung der Mitarbeitenden während des Wandels wichtig, wo auch die Erfolge auf dem Weg zum Ziel gefeiert werden oder auch einfach mal gemeinsam eine Pause eingelegt wird. Dieses Vorgehen fördert das matchentscheidende Wir-Gefühl vor und während der Transformation. Ideal ist natürlich eine Unternehmenskultur, wo Veränderung beim Mitarbeitenden tendenziell Neugier statt Unsicherheit auslöst.

VERPUPPUNG

Ist die Entwicklung der Raupe fortgeschritten genug, folgt die Verpuppung. Während zwei bis vier Wochen bildet sich der Raupenkörper zurück, die Gliedmassen entwickeln sich und es entsteht ein prachtvoller Schmetterling.

Beim Unternehmen stellt die Verpuppung den Abschluss des fundamentalen Wandels dar. Es wird hier und da noch etwas angepasst, bevor die Transformation nach aussen angekündigt wird. Wie für den Schmetterling führt der Weg der Transformation auch bei Unternehmen in die Freiheit. Sie gestalten damit ihre eigene Zukunft und werden nicht zum Opfer ihrer Umstände.

SCHMETTERLING

Der Schmetterling breitet seine Flügel aus, hebt ab und erlebt die Welt aus einer neuen Perspektive, dank seiner neu erlangten Fähigkeiten. Mitarbeitende blicken zuversichtlich in die Zukunft und sind stolz auf die Entwicklung, die sie auf der körperlichen, geistigen und seelischen Ebene geschafft haben – auch sie geniessen ihre neue Freiheit.

Zuerst veröffentlicht im Ladies Drive Magazin Ausgabe Nr. 53

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