Über die (Un)Freiheit des Seins

Freiheit fängt mit Bewusstsein an

Je mehr Dein Wohlbefinden und Freude von der Aussenwelt abhängig ist, je mehr Mühe Du haben wirst, wenn Deine Bewegungsfreiheit mal eingeschränkt ist. Dann gibt es nur noch Dich und nochmals Dich – ein wahres Geschenk, wenn Du es als solches wahrnehmen kannst. Werde mal ganz still, fokussiere Dich auf ein sanftes Ein- und Ausatmen und nehme Dich einfach wahr. Es mag sein, es fühlt sich an wie wenn Du einem alten Freund begegnest, mit dem Du lange keinen Kontakt mehr hattest. Du weisst nicht gerade was sagen, es fühlt sich ganz komisch am Anfang an, Du möchtest wieder gehen und trotzdem hält Dich etwas zurück, dieses neugierige Gefühl. Wenn Du diese unbequeme Zeit aushalten kannst, wirst Du merken wie schön es eigentlich ist in eigener Gesellschaft zu verweilen. Da kommen schöne Wünsche und Gefühle hoch die zuvor keinen Platz hatten, weil Du immer am Tun warst. Du überlegst Dir allenfalls, wann habe ich dieses schöne Gefühl letztens in so einer Qualität erleben dürfen? Bevor ich Kinder hatte, bevor ich die neue Stelle angenommen habe, bevor ich den neuen Partner kennengelernt habe, bevor ich das Studium/Weiterbildung begonnen habe, vor dem Umzug oder ganz einfach bevor ich XZY angefangen habe? Egal was der Auslöser war, Tatsache etwas hat plötzlich mehr Raum eingenommen und die freie Zeit für Dich wurde weniger – eine Einschränkung auf einer anderen Art, die du bewusst oder unbewusst zugelassen hast.

(Un)Freiheit der Glaubenssätze

Hier eine andere Perspektive auf die Einschränkungen die wir zurzeit in der Aussenwelt erleben. Du kannst Dich beruhigen, sie stehen in keinem Verhältnis zudem wie wir uns täglich im Leben mit unseren Gedankens-/Verhaltensmuster einschränken – und das über Jahre hinaus und nicht nur vorübergehend wie jetzt mit Corona. Überlege Dir mal, wann hast Du das letzte Mal etwas nicht gesagt oder nicht getan, weil Du unsicher warst wie das Umfeld drauf reagieren würde? Du hast am Wochenende abgemacht, obwohl Du die Zeit lieber für Dich gehabt hättest und trautest nicht abzusagen? Es kann so weit gehen, dass wir eine Stelle annehmen oder in eine Partnerschaft/Ehe eingehen die nicht zu uns passt und wir machen es trotzdem weil es familien- oder gesellschaftskonform ist. 

Sich wegen eigenen Denkmustern oder Glaubensätze unbewusst einzuschränken hat grössere Konsequenzen, da sie Deine Gesundheit und Lebensqualität beeinflussen. Lange habe ich geglaubt ich sei nicht gut genug und ich musste immer etwas tun, um Aufmerksamkeit zu bekommen und im meinem Wesen bestätigt zu werden. So fing es an – ein Studium abzuschliessen und in Grossunternehmen zu arbeiten. Jahre lang habe ich über viele und gute Arbeit die entsprechende Anerkennung bekommen. Die Zeiten waren auch sehr schön, aber im Inneren wurde der Kindheitstraum mit Mensch und Tier zu arbeiten immer lauter. So einen Beruf wurde beim Studienwahl belächelt, Du bist nur genügend, wenn Du ein Studium und Karriere machst war die unausgesprochene Botschaft. Den Glaubenssatz, der mich so lange eingeschränkte, wurde auf einmal aufgelöst. Seitdem ich mich beruflich neu orientiert habe ist auch der Wunsch für vieles in der Aussenwelt nicht mehr so wichtig, weil mich meine Arbeit so erfüllt. 

Unbewusstes Ausleben der Freiheit vor 2020

Die Menschheit verhielt sich bisher als ob es keine Grenzen gäbe – man reiste für 2 Tage nach NY für ein Meeting, man reiste am Wochenende nach London weil die Flüge gerade billig waren, man reiste mit der ganzen Familie für eine Woche in die Ferien nach Asien, man macht eine Kreuzschifffahrt im Mittelmeer, man kauft Erdbeeren aus Spanien im Winter. Klar alles ist möglich – unser Wohlstand ermöglicht uns auch sehr viel. Die Frage lautet eher auf wessen Kosten leben wir in der westlichen Welt unsere unbegrenzte Freiheit aus – Natur, Umwelt, Tierwelt, andere Menschen?

Ich frage mich einerseits, ob der Mensch noch in der Lage ist, die Auswirkungen seines Verhaltens zu reflektieren oder sie zu hinterfragen, da er sich so weit von seinem ursprünglichen Wesen entfernt hat. Der Mensch spürt sich kaum mehr und geht in der Informations-/Reizüberflutung unter. Zweitens frage ich mich wie viel von den ausgefüllten Terminkalendern eher eine Flucht oder Ablenkung ist, einfach um das nicht gerade zufriedenstellende Leben privat wie beruflich zu kompensieren? So diskutiert man halt über die Ferien usw., anstatt über das was im Leben wirklich eine Person in Inneren bewegt oder wo der Schuh gerade drückt und was nach Veränderung ruft.

Bewusstes Ausleben der Freiheit nach 2020 

Die grösste Chance, die ich sehe, ist das eigene Leben anders aufzugleisen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Es ist als ob Du mit einem leeren Teller am Buffet stehst. Du nimmst nicht wie bisher von überall ein bisschen nur weil es schön aussieht, sondern Du entscheidest bewusst und nimmst nur das was Dich wirklich anspricht und Dir gut tut. 

Vieles war über ein Jahr lang nicht mehr möglich wie die Kaffeerunde im Büro, das Treffen im Ausgang, das Reisen ins Ausland, den Besuch von Konzert- und Kulturveranstaltungen, die Teilnahme am Vereinsleben und das Treffen mit Grosseltern/Freunden. Wie viel von allem was Du vorher machtest war aus dem Herzen und wie viel weil es gesellschaftskonform war?

Gleichzeitig, wurden uns auch neue Chancen geschenkt. Home Office hat uns mehr Familienzeit geschenkt, weil der Arbeitsweg weggefallen ist oder die Kinder zu Hause online Unterricht hatten. Wir haben vielleicht andere Freizeitaktivitäten entdeckt – sind Schneeschuhlaufen statt Skifahren gegangen oder haben eine Fahrradtour um den See statt eine Autofahrt in die Berge gemacht. Wir haben einfach die wunderschöne Natur vor der Haustür neu entdeckt.

Jetzt lautet die Frage, auf was verzichtest Du, was nimmst Du vom Alten mit und was kommt neu auf Deinen leeren Teller hinzu? Ps. Dein Teller muss nicht randvoll sein, so hast Du immer Platz für eine tolle Überraschung!

Auswirkungen der Pandemie

Zu fest wurde in den Medien einseitig über Corona berichtet und flächendeckende Massnahmen umgesetzt. Ich glaube die Kollateralschäden wie der Anstieg an häuslicher Gewalt oder den Einfluss der Krise auf die Psyche von Kinder, Jugendliche und alternde Personen sowie die Zusatzkosten von CHF 750 Millionen/Woche gemäss Bundesrat Ueli Maurer sind sehr hoch und nicht zu unterschätzen. Wir dürfen auf keinen Fall hier ein Auge zu drücken, wenn die Pandemie mal vorbei ist, weil es uns als Einzelperson besser geht. Als Leaders sind wir gefordert innovative und kreative Lösungen zum Wohl der Gesellschaft aktiv zu suchen und umzusetzen, um unseren Beitrag zu leisten.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Ladies Drive Magazin, Ausgabe Nr. 54

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